Salem Edition
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Gilbert Belo im Buch

„Der Seele ungeheure Kluft“


„Ich bin auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Es dämmert bereits, als ich mich in einem Dorf auf die Stufen vor der Kirche setze. Nicht leicht, den richtigen Weg zu finden, denn Pilgerpfade wie im Mittelalter gibt es nicht mehr. Gleich werde ich feststellen, dass das einzige Gasthaus seit einem Jahr geschlossen ist, und erkundige mich bei den am Brunnen spielenden Kindern, ob sich vielleicht eine andere Möglichkeit zum Schlafen anbietet. Sie wollen ihre Eltern fragen und beeilen sich; der Erste, der zurück ist, überbringt die Einladung seiner Familie, zu ihnen zu kommen.


Sie führen mich zu einem winzigen Bauernhaus, wo gerade geschlachtet wurde. Die Wannen mit Fleisch und Würsten stehen noch auf dem Boden der Küche; auf dem Tisch liegen blutige Schlachtutensilien, in der Ecke läuft ein Fernseher – ich sehe, es ist ein Horrorfilm aus den Pariser Katakomben.Jetzt fehlt nur noch, dass die Türe aufgeht, der Metzger reinkommt und das Messer wetzt, denke ich, da wird sie einen Spaltbreit geöffnet und eine Frau schaut neugierig herein – sie könnte Quasimodos Schwester sein.


Ich will nicht behaupten, dass mich das alles völlig kalt lässt, doch ich vertraue darauf, dass Pilger unter einem besonderen Schutz des Himmels stehen.“