Salem Edition
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Jakobsweg der Freude

Route und Leseprobe


Das erste Drittel der in 4. Auflage aktualisierten Route nach Santiago verläuft nur selten auf einem geschichtlich ausgewiesenen Pilgerweg. Allerdings wurde der Startort Odilienberg bei Strasbourg nicht ohne Grund gewählt: Eine historische Straßenkarte, die um das Jahr 1500 von einem Nürnberger Kartographen erstellt wurde, nennt „Ste. Odilia“ als Anlaufstelle für Jakobuspilger. Und auch der neu angelegte Jakobsweg von Straßburg durchs Elsass verläuft über den Odilienberg. In Thann haben Sie die Möglichkeit, sich für eine der beiden angebotenen Varianten zu entscheiden: Der Wanderweg GR 5 führt hinauf zum Ballon d’Alsace,  mit Anschluss an den GR 7. Hierbei handelt es sich um den ursprünglichen Jakobsweg der Freude, den wir nun als Vogesenroute bezeichnen.


In der Côte d'Or vereinigen sich beide Wander-/ Pilgerwege und via Taizé und Cluny kommen wir ins Beaujolais, wo sich hinter les-Echarmeaux wiederum zwei Wegevarianten anbieten. Wir bleiben auf dem GR 7 in Richtung St-Chamond, kommen zum GR 65 am Pass Le Tracol - und über die südlichen Ausläufer des Massiv-Central nach Le Puy-en-Velay, seit dem 10. Jh. Sammelpunkt der Jakobspilger nach Santiago de Compostela.


Von Le Puy geht es über die Monts d'Aubrac nach Espalion; der Wanderweg GR 65 entlang der Via Podiensis verläuft meist in über 1000 Meter Seehöhe durch äußerst karge Landschaften und war daher von den Pilgern besonders gefürchtet. Die Belohnung für die Mühen dieser schwierigen Etappen erwartet Sie im lieblichen Tal des Lot, und noch mehr Stimmung kommt auf, wenn Sie Conques, Cahors und Moissac hinter sich haben und Richtung Baskenland unterwegs sind. Bei Ostabat trifft unser Weg auf die Routen aus Vézelav/Périgueux und Tours/Bordeaux.


Hier erahnen Sie bereits die große Hoffnung, die Tausende und Abertausende Pelerins des Mittelalters auf die Straße gebracht hat. Eine Steigerung dieses Gefühls erfahren Sie, wenn nach St. Jean Pied-de-Port die Überquerung der Pyrenäen ansteht und Sie gemeinsam mit anderen Pilgern auf Santiago zuwandern. Während der gesamten Reise finden Sie Hinweise auf interessante Plätze und Bauwerke der Pilgerhochzeit, ergänzt durch überlieferte Texte vom Ort des Geschehens, sowie Informationen über Land und Leute. Damit erfahren Sie aktuelle Reisebegleitung und geschichtliche Überlieferung in einem und können sich gut in die Rolle der mittelalterlichen Pilger versetzen.


Leseprobe:

Berichten zufolge unternahmen etwa 40 % der Bevölkerung eine Pilgerreise; bis zu 500.000 Pilger jährlich sollen es im Mittelalter gewesen sein, die Santiago besuchten. Es war nicht selten blanke Not, die Jakobspilger auf die Straße brachte, mit einem Bruchteil der Informationen, wie sie in diesem Wanderbuch stehen. Dabei waren die Straßen und Wege alles andere als sicher; Räuber und Wegelagerer trieben ihr Unwesen und es gab Fälle von Mord und Entführung in die Sklaverei. Und manches Laster machte sich breit; so reimte z.B. Thomas von Kempen „Qui multum peregrinantur, raro sanctificantur“ (sinngemäß „Wer viel auf Pilgerfahrt geht, wird selten heilig“).


Wer auf Pilgerschaft im Sinne einer inneren Einkehr gehen will, muss einsehen, dass kein Wanderbuch ein Pilgergefühl, eine „Demut“ für den Weg vermitteln kann. Nur wer sich aufmacht, ohne Details und Fakten des Weges zu kennen, kann sich von einer „Planung“ lösen, ist offen und bereit, den Tag zu leben - zu akzeptieren, wie es sich ergibt. Denn „Geplante Wanderung“ - die gab es bei den frühen Pilgern nicht; ohne Wissen über das, was vor ihnen lag, mussten sie mit dem fertig werden, was ihnen unterwegs begegnete. Kein Pilger konnte am Morgen wissen, wo er am Abend sein müdes Haupt niederlegt; ein solches Denken fordert und fördert das Gottvertrauen, das allein genügt. So wird Pilgern zur „Ablösung“; im Gegensatz zum Alltag sind die Probleme auf dem Weg keine Störung, sondern immer wiederkehrende Prüfung hin zur Selbsterkenntnis.


Tardajos und Rabé de las Calzadas an der antiken Römerstraße von Legio (León) nach Caesar Augusta (Salduba/ Saragossa) –  diese einsame Gegend ist genau richtig für eine Besinnung auf die mittelalterlichen Verhältnisse. Die alte Kirche in Tardajos (der Ort wird im Codex Calixtinus genannt) ist der hl. Magdalena geweiht, deren Name eine sorgende Stätte für Pilger signalisierte. Das war auch notwendig, denn der Weg entfernt sich von der Landstraße und führt zum „Campo de Pan“, auf fast tausend Meter Seehöhe. Auf diesem Wegstück wird die Einsamkeit des Camino zur Realität, und noch heute ist die Calle Real in Hornillos del Camino identisch mit dem Pilgerweg des Mittelalters.